Meldungen

Waldschutz-Situation Rheinland-Pfalz 2009

Im Jahr 2008 hat in Rheinland-Pfalz die Zahl der Meldungen und der Umfang der Befallsflächen der Kategorie „wirtschaftlich fühlbar" abgenommen. Die Befallsfläche der Schadenskategorie „bestandesbedrohend" hat jedoch insbesondere wegen Hagelschäden und Mistelbefall an Kiefer gegenüber dem Vorjahr deutlich zugenommen (AFZ 7/2009).

 

Abiotische Schäden und Komplexkrankheiten

Stürme verursachten 2008 einen Einschlag von 662.000 Fm (2007: 2,04 Mio Fm). Die Sturmschäden gehen hauptsächlich auf den Orkan „Emma" (29. Februar 2008) zurück. Aufgrund von Schneebruch wurden 2008 1.200 Fm Holz (Fichte und Kiefer) eingeschlagen (2007: 1.100 Fm).
Zwölf Forstämter (FÄ) meldeten Trockenschäden an Fichte auf nur noch 66 ha (2007: 134 ha), 10 FÄ meldeten für Kiefer Trockenschäden auf 34 ha (2007:134 ha) und 2 FÄ meldeten auf 7 ha Trockenschäden an Douglasie (2007:13 ha).
 
Beim Laubholz wurden noch beträchtliche Trockenschäden registriert.
12 FÄ meldeten auf 196 ha Trockenschäden an Buche (2007:166 ha), während für Eiche 14 FÄ eine Fläche mit Trockenschäden von 136 ha angaben (2007:64 ha). Trockenschäden an sonstigem Laubholz wurden in 4 FA auf 14 ha registriert (2007: 28 ha), wobei als betroffene Baumarten Birke und Berg-Ahorn genannt wurden. Somit ergibt sich für Buche und Eiche eine gegenläufige Tendenz zum Nadelholz. Der Schwerpunkt bei den Trockenschäden an Buche und Eiche liegt im FA Bienwald. Die Trockenschäden in Kulturen und Jungwüchsen waren mit 7 ha deutlich geringer als im Vorjahr (54 ha).
 
Im Sommer 2008 kam es zu vielen örtlichen Unwettern, die z.T. von kräftigen Hagel-schauern und kurzfristigen Überschwemmungen begleitet waren. Am 31. Mai 2008 führte ein starker Sturm in den FÄ Hinterweidenthal, Westrich und Johanniskreuz auf isg. 312 ha vor allem an Kiefern zu beträchtlichen Hagel-Schäden (2007: 42 ha).
Nach Hagelschlag können die Kiefern absterben, wenn nachfolgend über Rinden-wunden eine Infektion durch den Pilz Sphaeropsis sapinea erfolgt. Deswegen müssen von Hagelschlag getroffene Bestände regelmäßig auf Folgeschäden hin überwacht werden.
 
Schaderreger an Nadelbäumen
Fichte. In allen Landesteilen wurde noch Borkenkäfer-Befall an Fichten festgestellt.
Die Käferholzmenge bei Fichte nahm von 121.700 Fm (2007) auf 113.250 Fm gering-fügig ab (Abb. 3). Trotz des Rückgangs des Befalls im Jahr 2008 ist den Borken-käfern 2009 wieder größte Aufmerksamkeit zu schenken. Erfahrungsgemäß hält die Gefahr auch im zweiten Jahr nach dem Sturmereignis (2007: „Kyrill") noch an, vor allem wenn es einen trocken-warmen Sommer geben sollte. Meist sind die Ränder von Sturmflächen am stärksten durch Stehendbefall gefährdet, weshalb sie beson-ders sorgfältig überwacht werden müssen. Sturmholz aus diesem Winter muss zügig aufgearbeitet werden.
Stehendbefall durch Bockkäfer wurde auf 25 ha festgestellt (2007: 10 ha).
 
Stockfäule-Befall wurde in wirtschaftlich fühlbarem Ausmaß im Rahmen von Nutzun-gen auf 573 ha festgestellt (2007: 413 ha). Besonders betroffen waren die FÄ Bitburg und Rennerod. Der Hallimasch-Befall hat sich 2008 mit einer Fläche von 103 ha gegenüber 2007 verdreifacht (37 ha).
 

Kiefer. Die Befallsflächen zeigen an, dass sich die Situation bei den Rindenbrütern an Kiefern im Jahr 2008 etwas entspannt hat: Die von den FÄ gemeldete Fläche mit Stehendbefall durch rindenbrütende Borkenkäfer war mit 15 ha deutlich geringer als im Vorjahr (81 ha), ebenso der Befall durch Kiefernbock und -prachtkäfer, der noch auf einer Fläche von 245 ha festgestellt wurde (2007: 473 ha). Bei Kiefer wurden 1.600 Fm Käferholz eingeschlagen (2007: 2.700 Fm). Kronenschäden durch Waldgärtner-Reifefraß wurden nur noch auf 22 ha registriert (2007: 216 ha).

 
Das Ausmaß des Mistel-Befalls an Kiefern (Abb. 4) ist weiterhin gravierend: 7 FÄ meldeten eine Befallsfläche von 2.038 ha (2007: 1.326 ha). In 4 FÄ wurde der Befall auf insgesamt 195 ha als bestandesbedrohend eingeschätzt. Schwerpunkte des Mistelbefalls sind die Oberrheinebene und der Pfälzerwald.

Schaderreger an Laubbaumarten

Eiche. 20 FÄ aus allen Regionen des Landes registrierten Befall durch den Eichenprachtkäfer auf 596 ha (2007: 1 542 ha), was einedeutliche Entspannung anzeigt. Nach wie vor stark betroffen sind die FÄ Bienwald (240 ha) und Haardt (200 ha). Der Käfer-Holzeinschlag bei Eiche betrug 2008 1 500 Fm (2007: 3 500 Fm). Stehend-befall durch holzentwertende Käfer an Eichen, der sehr häufig dem Prachtkäferbefall folgt, meldeten 5 FÄ (2007: 4 FÄ). Die Befallsfläche wurde mit 220 ha beziffert (2007: 212 ha). Aufgrund der anhaltend kritischen Situation sollten vorgeschädigte Eichenbestände weiterhin sorgfältig auf Prachtkäfer und Stehendbefall durch Holzbrüter überwacht werden.

 
Die Fraßfläche der „Eichenschadgesellschaft" von Eichenwickler/Frostspanner-Raupen umfasste 2008 nur noch 106 ha (2007: 572 ha). Die Populationsdichte liegt somit auf Latenzniveau. Leimringkontrollen ergaben, dass 2009 keine gravierenden Fraßschäden zu erwarten sind.
 
Für den Eichenprozessionsspinner (EPS) meldeten 6 FÄ eine Befallsfläche von 36 ha (2007: 5 FÄ auf 47 ha). Als Befallsorte wurden vor allem Waldränder angegeben. Im Frühjahr 2008 wurden die EPS-Raupen in den FÄ Donnersberg (31 ha), Haardt (21 ha). Rheinhessen (50 ha) und Bienwald (48 ha) mit einem B.t.k.-Pflanzenschutz-mittel bekämpft, um die Bevölkerung vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen und den Wald vor Raupenfraß zu schützen. Ob auch 2009 Maßnahmen gegen EPS-Raupen ergriffen werden müssen, ist noch offen.
 

Buche. Die Buchen-Komplexkrankheit, die in der Eifel und im westlichen Hunsrück im Sommer 2000 erstmals in größerem Ausmaß aufgetreten ist, wurde von 19 FÄ mit einer Schadfläche von 1.013 ha gemeldet (2007: 24 FÄ auf 898 ha). Die größten Schadflächen mit mehr als 100 ha meldeten die FÄ Westrich (301 ha), Hochwald (150 ha), Idarwald (156 ha), Dhronecken (121 ha) und Wittlich (111 ha).

Schaderreger in Kulturen und Jungwüchsen

Das FA Bienwald meldete Schäden an Verjüngungen durch Waldmaikäfer-Engerlinge auf insgesamt 660 ha. Davon waren 50 ha bestandesbedrohend geschädigt.
Die Überwachungsfläche für den Waldmaikäfer beträgt in Rheinland-Pfalz aktuell insgesamt 2.600 ha in den FÄ Bienwald (Südstamm) und Pfälzer Rheinauen (Nordstamm). Im Nordstamm-Gebiet fand 2008 ein Flug auf ca. 800 ha statt. Trotz Überschreitens der „kritischen Käfer-Dichte" im Boden konnten aufgrund vieler Restriktionen keine Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt werden. Deswegen kann eine weitere Ausweitung des bisherigen Befallsgebiets und damit eine Zunahme der potenziell gefährdeten Jungwuchsflächen nicht ausgeschlossen werden.
 
9 FÄ meldeten Befall durch den Großen Braunen Rüsselkäfer an Nadelbäumen auf einer Schadfläche von 48 ha (2007:30 ha). Am umfangreichsten waren die Schäden im FA Daun (25 ha).
 
Quarantäneschädlinge
Das FA Haardt meldete einen Befall durch den Esskastanien-Rindenkrebs (Cryphonectria parasitica) auf 20 ha. Diese Krankheit kann offensichtlich nicht mehr ausgerottet werden und bedroht die Esskastanie am Ostrand des Pfälzerwaldes in zunehmendem Maße, Die zügige und saubere Beseitigung von befallenen Einzel-bäumen ist eine wichtige Maßnahme zur Eindämmung der Krankheit. Bestände mit stärkerem Befall können jedoch so nicht mehr saniert werden. Hier steht ein Projekt zur Verminderung der pilzlichen Aggressivität mittels eines Hypovirulenzfaktors in Aussicht.