Meldungen

Edelkastanie - Baum des Jahres 2018

Ökologisch wertvoll und für den Klimawandel geeignet

26.10.2017
Die Edelkastanie, bekannter unter dem Namen Esskastanie, wird 2018 im Mittelpunkt vieler Aktionen stehen. Dies entschieden die Mitglieder des Kuratoriums Baum des Jahres heute in Berlin, indem sie sie zum Baum des Jahres kürten. Geliebt wird sie vor allem wegen ihrer stärkereichen und glutenfreien Früchte, bekannt als Maronen. Sie ist nicht verwandt mit der Rosskastanie, sondern gehört zu den Buchengewächsen und wurde mindestens seit der Römerzeit in Deutschland kultiviert.

Edelkastanie-Freinsheim-Kalinke_komprimiert.jpg

Kastanien-Hain in Freinsheim. Kulturrelikt, älteste Nennung des Hains im Jahr 1732. 1994 wurden einige Bäume nachgepflanzt
(Foto: Nikolai Kalinke, SDW-RLP)

In Deutschland gibt es die größten Vorkommen im südwestdeutschen Raum in den klimatisch bevorzugten Weinbauregionen.
Zu nennen sind hier der Taunus, die Vorderpfalz, die Ortenau, die Bergstraße, der Rheingau, die Moselgebiete und auch der Untermain. Solitär oder in Gruppen in Parks und Gärten, Hainen und Wäldchen ist sie bundesweit zu finden.


Lichte Wälder mit Edelkastanien sind wegen ihrer Strukturvielfalt wertvolle Lebensräume. Sie werden von einer großen Anzahl von Insekten und Käfern besiedelt. An einzelnen Edelkastanien wurden seltene Flechten und Moosarten entdeckt, die teilweise als ausgestorben galten.


Auch für die Bienen ist sie eine wichtige Nahrungsquelle. Eichhörnchen, Siebenschläfer und Krähen sorgen für die Ausbreitung der Maronen oder umgangssprachlich „Keschde“ genannten Früchte. Die versteckten Nahrungsvorräte keimen dann, wenn sie vergessen wurden, im Frühjahr. Aus den Samen gekeimte Bäume tragen erstmals mit etwa 25 bis 35 Jahren Früchte.


Das Holz der Esskastanie ist mit dem der Robinie das dauerhafteste, das wir in Europa haben. Noch heute spielt es als Holz für Rebpfähle eine wichtige Rolle. Ebenso erlebt es eine Renaissance in der Möbelherstellung, bei der Lawinenverbauung im Bergwald und erzielt hohe Preise.


Dank ihres hohen Stärkeanteils von 43 Prozent waren die Maronen über Jahrhunderte ein wichtiger Bestandteil der Armenkost im Süden Europas, bis sie durch die Kartoffel ersetzt wurden. Aufgrund ihrer Glutenfreiheit und der aktuellen großen Nachfrage nach hochwertigen Bio-Lebensmitteln ist die Esskastanie auch in diesem Bereich stark gefragt.

Im vergangenen Jahrhundert wurde die Esskastanie durch einen eingeschleppten Pilz vor allem in Südeuropa dezimiert. Durch erfolgreiche biologische Bekämpfung erholt sie sich deutlich. Die Edelkastanie wird in unseren Wäldern als klimatoleranter Baum in Zukunft eine deutlich größere Rolle spielen.


In Rheinland-Pfalz befinden sich mit die größten Vorkommen der Esskastanie, rund 2500 ha der Waldfläche unseres Bundeslandes sind mit Esskastanien bestockt. Davon sind allein ca. 75% im Pfälzerwald. In Kooperation mit Landesforsten Rheinland-Pfalz, der Forstlichen Versuchsanstalt, der IG Edelkastanie und dem Zweckverband Pfälzerwald plant die SDW im kommenden Jahr zahlreiche Aktionen. Diese sollen die Gesellschaft für die ökologische und ökonomische Bedeutung der Edelkastanie sensibilisieren und auf die große Bedeutung im Rahmen des Klimawandels aufmerksam machen.


Links zum Thema:

Baum des Jahres (Infoseite des Landesverbandes)