Windkraft über Wald

Position der SDW Rheinland-Pfalz

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Wälder bedeuten Leben für unseren Planeten! Wälder produzieren Sauerstoff und binden Kohlendioxid. Wälder sind durch ihre Vielzahl ökologischer Nischen Kristallisationspunkte der Biodiversität.

Wir Menschen profitieren in besonders vielfältiger Weise von Wäldern, prägnant mit den Schlagworten Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion beschrieben. Wälder in Deutschland produzieren nachhaltig Holz und decken so rund die Hälfte unseres Eigenbedarfs [1]. Des Weiteren sind alle funktionierenden Konzepte zum Trinkwasser-, Erosions- und Lawinenschutz immer von gesundenWäldern abhängig. Auch tragen Wälder wesentlich zur Erholung der Bevölkerung bei und sind deshalb Kernbestandteil fast aller Naturparke.


Viele gute Gründe also, sich als Verband für den Schutz der Wälder einzusetzen!  

 

Die Schwerpunkte des SDW Engagements für den Wald wandelte sich auf Grund sich ändernder Rahmenbedingungen in den vergangenen sechs Jahrzehnten:
In der Gründungsphase des Verbandes waren die Bestrebungen der SDW zunächst darauf ausgerichtet, eine nachhaltige Forstwirtschaft sicherzustellen. Mitte der 1980er Jahre forderte die SDW die Umstellung der Forstwirtschaft auf einen naturnahen Waldbau. Naturschutz und Waldnutzung auf der Fläche zu kombinieren, war das

Ziel!

Aktuell rücken die Bestrebungen zum Schutz des Weltklimas in den Fokus des Verbandes. Einerseits, weil Wälder eine herausragende Bedeutung für das Weltklima haben. Durch die Fixierung des Kohlendioxids sind sie ein stabilisierendes Element in den physikalisch chemischen Prozessen, die dem angenommenen anthropogen bedingten Klimawandel zugrunde liegen. Waldschutz ist damit Klimaschutz.

 

Andererseits, weil Klimaänderungen erhebliche Auswirkungen auf die Wälder haben. Alle angenommen Szenarien des Klimawandels wirken sich direkt und / oder indirekt, meist negativ, auf die Wälder der Erde aus. Klimaschutz ist damit Waldschutz. 

 

Aus diesen beiden Gründen setzt sich der Verband konsequent für den Klimaschutz ein.


Vordringliches Ziel des Klimaschutzes ist aktuell, die Emission klimaschädlicher Gase auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Im Rahmen dieser Anstrengungen erlangt die Substitution fossiler Energieträger durch regenerative Energieträger eine zentrale Bedeutung.

In diesem Zusammenhang sieht die SDW-RLP in der Windenergie eine besondere Chance, da Anlagen am Standort selbst rückgebaut werden können und diese Form der Energiegewinnung auch andernorts keine Hypotheken für künftige Generationen hinterlässt. Auch von Seiten der Bundesregierung wird der Windkraft zukünftig eine tragende Rolle im Energiemix Deutschlands [2] zugesprochen.

 


Der angestrebte Ausbau der Windenergie wird auf zwei Säulen beruhen:

(a) die Verbesserung der Windenergieanlagen und

(b) die Ausweisung neuer Standorte, Off- wie Onshore.

 

Neben der Ausweisung neuer Standorte im Offenland wird auch die Errichtung von Windenergieanlagen über Wälder diskutiert. Unter anderem, weil die windhöffigsten Standorte meist im Bereich der bewaldeten Höhenlagen der Mittelgebirge liegen (DWD 2008: KARTE DER EIGNUNG FÜR DIE NUTZUNG DER WINDKRAFT IN DEUTSCHLAND NACH DEM EEG). Dies gilt in besonderer Weise für das von Mittelgebirgen geprägte, waldreiche Rheinland-Pfalz. 


Aus unserer Verantwortung für das Weltklima und den dargelegt Rahmenbedingen heraus ist die SDW–RLP gegenüber der Errichtung von Windenergieanlagen über Wäldern offen. 


Der Verband fordert jedoch eine besondere Sensibilität bei der Planung dieser Anlagen, da Waldökosysteme durch die Errichtung von Windenergie-Anlagen deutlich stärker beansprucht werden als Offenlandfläche. 

 
Ein sensibler Umgang mit der ökonomischen wie ökologischen Bedeutung der Wälder berücksichtigt aus Sicht der SDW-RLP, dass alle Potentiale des Repowerings vorhandener Windenergieanlagen ausgeschöpft und überregionale Konzepte zur Nutzung der Windenergie entwickelt werden. Zudem sind im Rahmen der Standort- und Bauplanung in Einzelfallprüfungen die besonderen Verhältnisse vor Ort zu berücksichtigen. Auch gegenüber Planung von Windenergieanlagen in Waldgebieten die Schutzgebiet-Status haben (bspw. Biosphärenreservat, Naturpark, NATURA 2000 - Gebiet, Naturschutzgebiet, Landschaftsschutzgebiet, etc.), ist die SDW zunächst offen. Für den Verband gilt es hier im Einzelfall zu prüfen, ob die Errichtung und der Betrieb der Anlagen dem Schutzgebietszweck entgegenstehen. 

 
Für die SDW–RLP ist die Ausweisung von Windenergiestandorten in Waldgebieten dann wenig konfliktträchtig, wenn die Standorte bereits durch andere anthropogene Einflüsse vorbelastet sind (bspw. durch Autobahnen und Stromleitungstrassen) und über eine überdurchschnittlich gute Windhöffigkeit verfügen. Diese Gebiete sollten vorrangig in die Planung mit einbezogen werden. Sinnvoll erscheint hier auch eine Bündelung von Anlagen. So kann auf die Errichtung von Anlagen in naturnahen, weitgehend unbeeinflussten Waldgebieten verzichtet werden, die für die SDW-RLP eine besondere Schutzwürdigkeit haben. 


Da durch die favorisierte Bündelung der Anlagen umliegende Kommunen die Möglichkeit genommen wird, eigene Windkraftanlagen zu errichten, diese gleichzeitig aber durch die bestehenden Anlagen belastet werden, ist nach Meinung der SDW ein Vorteils- und Lastenausgleich auf übergemeindlicher Ebene, z.B. auf der Eben der Verbandsgemeinden oder Kreise, notwendig. 

 

Unter Berücksichtung dieser Rahmenbedingungen kann sich die SDW-RLP mit dem politischen Willen, zwei Prozent der Waldfläche des Landes für die Nutzung von Windenergie auszuweisen, identifizieren.

 

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1 Der Holzzuwachs p.a. beträgt in Deutschland (2.Bundeswaldinventur 2002) rund 95 Mio. fm, wovon ca. 67 Mio. fm genutzt werden. Im Jahr 2008 wurden rund 126,7 Mio. fm Holz verbraucht

Quelle/Link im Internet

 

2 Erneuerbare Energien soll maßgeblich dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 und bis 2050 um 80 % im Vergleich zu 1990 zu senken. Im Energiemix der Zukunft wird die Windenergie die zentrale Rolle übernehmen.  

 

(www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Energiekonzept/ErneuerbareEnergien/erneuerbare-energien.html; www.erneuerbareenergien.de/inhalt/4642/)

Aktualisierung: 10.04.2014 / Redakteur: Ralf Bischoff
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