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Wald im Klimastress

Mitteilung zur Walderklärung der Landesregierung und der Vertretungen der Waldbesitzenden

Obermoschel, Juli 2019


Als anerkannter Naturschutzverband begrüßt die SDW die am 11. Juni 2019 durch die Landesregierung und die Vertretung der Waldbesitzenden unterzeichnete Erklärung zu Anpassungsstrategien der rheinland-pfälzischen Wälder an die Klimakrise und fordert die rasche Umsetzung.


Die durch die SDW seit langem geforderte nachhaltige Waldbewirtschaftung leistet einen wichtigen Beitrag um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Im Rahmen der forstlichen Bewirtschaftung werden arten- und strukturreiche Mischwälder angestrebt. Die Bewirtschaftung muss sich mit standortgerechten Baumarten an natürlichen Waldgesellschaften orientieren und die natürliche Verjüngung ermöglichen. Die Klimaveränderung muss bei der Baumartenwahl berücksichtigt werden, damit man ihr auf Dauer begegnen kann. Hier dürfen „fremdländische“ (bevorzugt eurasiatische) Baumarten für einen zukunftsfähigen Wald nicht ausgeschlossen werden.


Hinsichtlich des Klimaschutzes gibt es grundlegende Unterschiede zwischen einem bewirtschafteten und einem sich selbst überlassen Wald. Die Klimaschutzwirkung des Waldes basiert zum einen auf der direkten Speicherung von CO2 im Waldbestand und im Waldboden. Im Urwald halten sich Auf- und Abbauprozesse die Waage, so dass sich ein heute ausgewiesener „Wildniswald“ in ferner Zukunft CO2-neutral verhalten wird.


Für den Klimaschutz weitaus bedeutender sind jedoch die Speicherung von CO2 in langlebigen Holzprodukten sowie die Substitution von in der Herstellung energieintensiven Materialien (z.B. Beton, Aluminium) durch den nachwachsenden Rohstoff Holz.


Ein weiterer, wenn auch nicht so bedeutender Aspekt ist die energetische Nutzung von Holz, sei es direkt als Brennholz oder im Rahmen einer thermischen Endverwertung von nicht mehr verwendbaren Holzprodukten.


Ein bewirtschafteter Wald dient somit in dreifacher Weise dem Klimaschutz.


Nimmt man großflächig Wälder aus der Bewirtschaftung, so muss man grundsätzlich bedenken, dass der Verzicht auf nachhaltige Holznutzungen in den heimischen Wäldern zugleich immer auch bedeutet, dass die fehlenden Mengen importiert werden müssen. Diese kommen dann vielfach aus Ländern, deren Waldbewirtschaftung nicht unseren ökologischen und sozialen Standards entsprechen. Eine Reduzierung von heimischem Wirtschaftswald verschlechtert somit häufig die Umweltsituation und auch die Zukunftsperspektive von Drittländern.


Die anhaltende globale Waldvernichtung in den Tropen, Subtropen und auch borrealen Wäldern beinhaltet für uns zugleich eine gewisse Verpflichtung zur nachhaltigen, naturverträglichen Waldbewirtschaftung, denn in Deutschland haben wir vergleichsweise optimale Wuchsbedingungen.


Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf die Biodiversitätsstrategie des Landes Rheinland-Pfalz, wonach bis zum Jahr 2020 10 % der Staatswaldflächen der natürlichen Entwicklung überlassen werden sollen.


Die 3. Bundeswaldinventur zeigt, dass der Holzvorrat in den rheinland-pfälzischen Wäldern weiter wächst. Auch der Totholzanteil und alte Baumindividuen nehmen zu. Die Umsetzung des Konzeptes zum Umgang mit Biotopbäumen, Altbäumen und Totholz (BAT-Konzept) sowie die Zertifizierung nach FSC und PEFC Standards waren wichtige forstpolitische Entscheidungen. Das Land hat hier eine Vorbildfunktion eingenommen dem viele, jedoch noch nicht alle, kommunale und private Waldbesitzer bereits folgen. Hier begrüßen wir als SDW weiteres Engagement von Seiten der Waldbesitzer. Die von der Landesregierung in Aussicht gestellten finanziellen Mittel müssen daher in zukunftsfähige Wälder investiert werden.


Die Klimakriese ist nicht erst durch die Schadereignisse des Sommers 2018 in unseren Wäldern angekommen. Vermehrtes Auftreten des Eichenprozessionspinners oder die Rußrindenkrankheit sind nicht mehr rein waldbauliche Schadereignisse, sondern gefährden auch die Gesundheit von Waldbesucher*innen. Hier sind vermehrte Kontrollen nötig, die durch die Forstbeamten durchgeführt werden müssen. Der bisherige Stellenabbau und immer größere Forstreviere wirken dem entgegen und muss zurückgenommen werden.


Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige Waldbewirtschaftung ist die kontinuierliche Aus- und Fortbildung aller im Wald Tätigen. Das erfordert eine enge, praxisorientierte Zusammenarbeit zwischen Forstwissenschaft, Bildungsträgern und Waldbesitzern.


Der Vorstand der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
Landesverband Rheiland-Pfalz e.V.